Sonntag, 13. Dezember 2020

Gottesdienstübertragung aus der Pfarrkirche Eisenstadt-Oberberg

Gottesdienstübertragung aus der

Pfarrkirche Eisenstadt-Oberberg 

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Eisenstadt  Auf dem musikalischen Programm stehen unter anderem Werke von Johann Hermann Schein und Paul I. Esterházy – die Geschichte der Pfarrkirche Oberberg ist mit dem Fürstenhaus Esterházy eng verbunden, auch hinsichtlich ihrer weltberühmten Kirchenmusiktradition.

Als musikalisches Hauptwerk wird die Messe in F-Dur von Rudolf Weinwurm (1835-1911) zu hören sein.

Weinwurms Messe ist eine kaum bekannte kleine Kostbarkeit aus dem Schatz der heimischen Kirchenmusik. Die Komposition konnte erst vor wenigen Jahrzehnten, nahezu ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung, uraufgeführt werden. Der Grund für die Verzögerung war ein Ereignis, das das öffentliche Leben eine Zeit lang massiv beschneiden sollte. Die hinderliche Situation jener Tage erinnert in gewisser Weise an unsere Zeit der Virusbedingten Beeinträchtigungen.

Die Messe entstand zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph am 2. Dezember 1898 (von daher erklärt sich ihr eigentlicher Titel "Festmesse") und sollte durch die Schülerinnen der Lehrerinnenbildungsanstalt in Wien I, Hegelgasse, uraufgeführt werden.

Die Ermordung von Kaiserin Elisabeth (Sissi) am 10. September 1898 erschütterte das ganze Land. Sämtliche Veranstaltungen wurden abgesagt, auch die vorgesehene Aufführung der Weinwurm-Messe kam nicht zustande.

So geriet die Komposition für lange Zeit in Vergessenheit, bis sie im Dezember 1984 in der Kirche von Scheideldorf im niederösterreichischen Waldviertel, dem Geburtsort von Rudolf Weinwurm, zum ersten Mal gesungen wurde. Im Zuge der Uraufführung wurde die Komposition auch ediert. Den Teilen des Ordinariums ist ein vierstimmiger Frauenchorsatz zur Melodie "O du fröhliche" als Offertorium beigegeben, allerdings nicht als das heute bekannte Weihnachtslied, sondern mit dem ursprünglichen, aus Sizilien stammenden Text "O sanctissima". Der Text besingt die Gottesmutter Maria in verschiedenen Ehrentiteln, unter anderem als Zugang zur göttlichen Arznei, zum Heilmittel. ("Tu medicinam portas divinam").

Die am kommenden Sonntag gesungene Fassung der Weinwurm-Messe für Sopran, Alt, Flöte und Orgel entstand im Bedarf von kleinbesetzten Messen in eingeschränkter Zeit im November 2020 durch den Autor dieser Zeilen.

Komponist Rudolf Weinwurm, Universitätsmusikdirektor in Wien, war zeitlebens umfassend musikalisch tätig. Er schuf weltliche Werke und Kirchenmusik; eine besondere Zuneigung galt dem Männerchor. Sein Lebenslauf hat originelle Details, z. B. ermöglichte er Anton Bruckner dessen Musikstudium in Wien, er komponierte die "Hymne zur Grundsteinlegung des Wiener Rathauses" und er leitete die Welt-Uraufführung des Donauwalzers von Johann Strauß.

Der Donauwalzer, die "insgeheime Hymne" Österreichs, die in der Signation der ORF-ZIB-Sendungen täglich in Millionen Haushalten ansatzweise aufklingt, erlebte seine Geburt ebenso in beeinträchtigter Zeit:

Strauß hatte dem Wiener Männergesangsverein 1865 zugesagt, für dessen traditionellen "Narrenabend" im Folgejahr 1866 einen Walzer zu komponieren. Aufgrund des zwischenzeitlichen österreichisch-preußischen Kriegs wurde die Lustveranstaltung jedoch abgesagt. Der Männergesangsverein wich auf eine "Liedertafel", einen Gesangsabend, aus, bei dem die Militärmusikkapelle des Infanterie-Regiments 42 mitwirkte.

In dieser Form – Männerchor und Blasmusik – erfuhr die nachmalig weltberühmte Musik von Johann Strauß‘ "An der schönen blauen Donau" unter der Leitung von Rudolf Weinwurm, dem Komponisten der oben beschriebenen Messe, im Februar 1867 ihre Uraufführung.