Mittwoch, 11. November 2020

Martin von Tours

 

Ein Blick auf Geschichte, Brauchtum und Legenden
Der Martinstag, auch Martini genannt, ist der Gedenktag des heiligen Martin von Tours. Im Burgenland, wo der hl. Martin Landes- und Diözesanpatron ist, wird dieser mit einem Festtag geehrt.

Darstellung des Heiligen Martin in der Pfarrkirche St. Martin an der Raab
© kathbild.at/Franz Josef Rupprecht

Eisenstadt – Martin von Tours war der Erste, der nicht als Märtyrer, sondern als "Bekenner" allein aufgrund seines Lebenswandels als Heiliger verehrt wurde. Er wurde um das Jahr 316/317 in der Stadt Savaria, dem heutigen Szombathely (Steinamanger) geboren. Auf Wunsch seines Vaters trat er als junger Mann in die Armee ein. Mit 18 Jahren ließ er sich taufen, quittierte seinen Militärdienst und wurde Eremit. 371 wurde er auf Wunsch des Volkes zum Bischof von Tours an der Loire ernannt. Er verstarb am 8. November 397 in seiner Diözese und wurde am 11. November in Tours beigesetzt. Heute befindet sich sein Grab in der 1902 neu erbauten Martinskirche in Tours, die die alte, fünfschiffige Basilika ersetzt. Anfang des 6. Jahrhunderts, nach dem Sieg über die arianischen Westgoten (507), erhob der Frankenkönig Chlodwig den heiligen Martinus zum Schutzpatron des Frankenreiches. In der Karolingerzeit gelangte die Martinsverehrung allmählich auch nach Osten, in den heutigen burgenländisch-westungarischen Raum. Mit dem Dekret des Heiligen Stuhles vom 10. Dezember 1924 wurde die Erhebung des heiligen Martin zum burgenländischen Landespatron schließlich offiziell verkündet. Außerdem ist Sankt Martin auch Patron der Diözesen Szombathely, Mainz und Rotterdam.

Symbol christlicher Demut
Der Feiertag geht auf eine Legende aus dem Jahr 334 nach Christus zurück. Martin war als römischer Offizier in Armenien stationiert. Als er eines Tages einem frierenden Bettler begegnet, teilte er, der Offizier, kurzerhand seinen Mantel mit dem Schwert und gab dem armen Mann eine Hälfte. Des Nachts erschien ihm dann Christus im Traum, bekleidet mit dieser Hälfte seines Mantels. Durch diese barmherzige Tat ist St. Martin zu einem Symbol christlicher Demut geworden. Im Mittelalter entwickelte sich daraus eine ganze Reihe von Bräuchen, die sich bis heute erhalten haben.

Gelebtes und gefeiertes Brauchtum
Dieser "besonders volkstümliche Heilige" und einer der beliebtesten Heiligen ganz Europas, wie Kurienkardinal Koch den Heiligen Martin im Rahmen der gemeinsamen Festmesse mit Diözesanbischof Zsifkovics 2018 bezeichnete, wird in Messen mit gelebtem Brauchtum gefeiert. Dazu zählt auch das Segnen und Verteilen des Martinskipferls. Als "Heiliger für alle" bezeichnet Bischof Zsifkovics Sankt Martin, und weist so nicht nur auf die Bedeutung des burgenländischen Landespatrons, sondern auch auf das Motto der Diözese Eisenstadt im Jubiläumsjahr "Für die Menschen da" hin.

Laternenumzüge und Weinverkostung
Tief verwurzelt sind die jährlichen Martinsumzüge um den 11. November. Sie gehen auf den Lichterzug zurück, der den Verstorbenen 397 auf seinem letzten Weg begleitete. Kinder ziehen mit selbstgebastelten Laternen durch die Straßen und singen Martinslieder. Anschließend wird die Legende rund um die Mantelteilung des heiligen Martins nachgespielt und Martinswecken – aus Germteig und Rosinen gebackene Männchen – gegessen. Der Brauch an diesem Tag eine "Martinigans" zu verzehren erinnert an die Legende, wonach sich der Heilige in einem Gänsestall versteckte, um seiner Wahl zum Bischof durch das Volk zu entgehen. Die schnatternden Tiere verrieten ihn jedoch.
Eine weitere burgenländische Tradition ist das sogenannte Martiniloben. Dabei handelt es sich um einen alten Brauch der Winzer. Bis zum 11. November in etwa dauerte die Reifezeit des jungen Weißweines, erst dann überzeugten sich die Weinbauern zum ersten Mal von der Qualität ihres Weines. Diesem alten Brauch folgend öffnen heute viele Winzer um den Neusiedler See ihre Weinkeller und laden zur Weinverkostung ein.