Dienstag, 11. August 2020

Maria Himmelfahrt

Als die Diözese Eisenstadt aus dem Ei schlüpfte

1960 wurde die Diözese Eisenstadt errichtet. Der Weg dorthin war steinig, doch "Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen" – Das Ergebnis leben wir heute. Live-Stream Festmessen am 14./15. August in Loretto und Eisenstadt

Gründungsbulle "Magna quae" zur Errichtung der Diözese Eisenstadt, die am 15. August 1960 von Papst Johannes XXXIII. erlassen wurde.
 

Eisenstadt – Heftige Auseinandersetzungen, nicht Dialog, prägten das Werden der Apostolischen Administration des Burgenlandes 1922, der Vorgängerin der 1960 errichteten Diözese Eisenstadt. 1921 erfolgte die Angliederung westungarischer Gebiete – das heutige Burgenland – an Österreich. Das machte eine Neuordnung der kirchlichen Verwaltung notwendig. 1924 wurde der hl. Martin zum Landespatron des neuen Bundeslandes bestimmt. Die Abnabelung von den Mutterdiözesen Győr/Raab und Szombathely/Steinamanger geschah schrittweise.

Aufbauarbeiten – Erste Herausforderungen
Am 18. Mai 1922 wurde der damalige Erzbischof von Wien, Friedrich Gustav Kardinal Piffl zusätzlich zum Apostolischen Administrator des Burgenlandes ernannt. Die dringlichsten Aufgaben betrafen die Grundstruktur der kirchlichen Verwaltung, die Klärung der Rechtsverhältnisse des Klerus und die Erhaltung des konfessionellen Schulwesens als öffentliches. Eine zusätzliche Herausforderung war die Überwindung des Priestermangels aufgrund der Heimkehr der örtlichen Pfarrer, Kapläne und Ordensleute in ihre ungarischen Heimatdiözesen.
Unter Erzbischof Theodor Kardinal Innitzer fand die Aufbauarbeit ihre Fortsetzung. Es wurden das Katholische Lehrerseminar sowie das Priester- und das Knabenseminar in Mattersburg errichtet. Schließlich verlegte man die Kirchenverwaltung von Wien nach Eisenstadt. Besondere Förderung erfuhren das katholische Pressewesen sowie die Katholische Aktion.
NS-Herrschaft unterbricht Aufbauwerk
Mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus und dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 kam das kirchliche Aufbauwerk zum Erliegen.
In Eisenstadt zogen die Nationalsozialistischen Parteigenossen mit brennenden Fackeln vom Kalvarienberg durch die Stadt – ein Akt, der 22 Jahre später als "Gegenveranstaltung" und als Zeichen des Lichtes, der Hoffnung und als neuer Wegweiser zur Gründung der Diözese wiederholt werden sollte. Das konfessionelle Schulwesen wurde zerschlagen, und der Sitz der Kirchenverwaltung musste von Eisenstadt zuerst nach Mattersburg und dann nach Bad Sauerbrunn ziehen. Das Burgenland hatte als politische Einheit aufgehört zu bestehen. Nur zur Bezeichnung der Apostolischen Administratur und der evangelischen Superintendentur blieb der Name erhalten.
Erster Burgenländer an der Spitze
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Wiedererrichtung der Republik Österreich 1945 (Zweite Republik) entstand auch das Burgenland als Bundesland wieder. Unter Dechant Josef Schoiswohl, dem Nachfolger von Kardinal Innitzer ab 1949, erfolgte die Rückverlegung der kirchlichen Verwaltungsstelle in die Landeshauptstadt.
Als im Jahr 1954 der bisherige Kanzleidirektor Stefan László zum Apostolischen Administrator des Burgenlandes ernannt wird, stand zum ersten Mal ein Burgenländer an der Spitze des Kirchengebietes. Zwei Jahre später wurde er zum Titularbischof geweiht.
Am 15. August 1960 erließ Papst Johannes XXIII. die Gründungsbulle "Magna quae" – wodurch die Diözese Eisenstadt errichtet wurde – und ernannte Bischof Stefan László am 14. Oktober zum ersten Diözesanbischof.