Donnerstag, 29. November 2018

Über das Lich

Aus der gleichnamigen Erzählung von Klaus-Peter Hertzsch

In unseren Städten und Dörfern nehmen Jahr für Jahr die Lichter in der Vorweihnachtszeit zu. Wenn es Abend wird, leuchten in Vorgärten und Balkonen Lichterketten. Aus den Fenstern grüßen Kerzenreihen. In den Städten schmücken riesigen Lichtinstallationen die Straßen, die gegen die Finsternis des Winters und gegen die Dunkelheit des Lebens ankämpfen sollen. Weihnachten wird zu einem Lichterfest inszeniert, was es auch wirklich ist, aber in einer anderen Weise. 
Ich hoffe sehr, es gibt immer noch die kleinen Kerzen, die im abendlichen dunklen Zimmer ihren sanften Glanz aufleuchten lassen, bei denen Kinder mit den Erwachsenen zusammensitzen. Denn nur diese kleinen Kerzen erinnern uns noch an das Wissen von der wirklichen Kraft des Lichts gegen die Finsternis.
Über Jahrtausende hinweg sprechen uns die Propheten  Mut zu: „Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind, nicht über den ängstlichen Hirten in Bethlehem, nicht über den Leuten in der Stadt, die mit Lichterketten gegen die dunklen Schatten des Lebens anzukämpfen versuchen.“  
Die biblischen Weihnachtsgeschichten erzählen, wie die Dunkelheit unserer Ängste und Ratlosigkeit überwunden wird. So redet der Evangelist Matthäus vom Stern der aus der Dunkelheit weist. Und Christus sagt: „Ich bin das Licht der Welt. In meinen Worten werdet Ihr die Dunkelheit der Welt erkennen und zugleich den Weg zu ihrer Überwindung. Denn ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ 
Und dann ist auch von uns die Rede. Christus spricht zu uns: “Ihr seid das Licht der Welt“ - auch ihr“. 
Ich denke, hier geht es nun um die kleinen Kerzen in den dämmrigen Zimmern. Einen kleinen Schein vom wahren Licht können und sollen auch wir aufleuchten lassen. Dazu lädt uns die Adventzeit ein.
Ich erinnere mich an einen orthodoxen Priester, der neben mir im Flugzeug saß, als beim Landeanflug auf Moskau die Millionen Lichter der großen Stadt unter uns sichtbar wurden. „Das ist für mich ein Gleichnis“, sagte er. Überall dort, wo Christen sind, wo ein Gebet gesprochen wird oder einer im Namen Christi Barmherzigkeit übt, überall dort leuchtet so ein kleines Licht auf. Von oben gesehen ist es wie ein riesiger Lichterteppich und ein tröstlicher Glanz über unserer Erde in Erwartung des großen Leuchtens.“ 
Und so vertrauen wir,  dass auch in unser oft dunkles Leben unerwartet groß und strahlend das göttliche Licht einbrechen wird, vielleicht gerade in der Heiligen Nacht.